Worauf ist bei Wiederholungsanstrichen auf WDV-Systemen zu achten?
Von Fassaden wird eine lange Lebensdauer erwartet. Ebenso wie alle anderen dem Licht und der Witterung ausgesetzten Produkte, müssen auch Wärmedämm-Verbundsysteme den teilweise extremen Belastungen standhalten. Direkte Sonneneinstrahlung, Hitze, Kälte, Feuchtebelastung, z. B. Nebel oder Schlagregen, oder tägliche große Temperaturschwankungen wirken sich auf die Lebensdauer der Fassade aus.
Die Erfahrungen aus mittlerweile fünf Jahrzehnten WDVS-Anwendungen zeigen, dass bauaufsichtlich zugelassene WDV-Systeme, die fachgerecht verlegt wurden, ihre Funktion über diesen Zeitraum ordnungsgemäß bewahren. Die Voraussetzung dafür sind die systemkonforme Anwendung und Verarbeitung sowie die Wartung der Fassade. Letzteres obliegt dem Gebäudeeigentümer und kann vom Verarbeiter des WDVS über Jahre kaum kontrolliert werden. Als Fachbetrieb kann er den Eigentümer aber auf die Alterung der Fassade hinweisen und ihm Informationen bezüglich einer erforderlichen Wartung frühzeitig zur Verfügung stellen.
Ältere Dämmfassaden weisen gegebenenfalls einen Bewuchs durch Mikroorganismen auf. Außerdem können Altbeschichtungen kreiden oder beschmutzt sein. In diesen Fällen ist ein Abwaschen der Fassade erforderlich.
Wichtig bei der Hochdruckreinigung eines alten WDV-Systems ist ein nur mäßiger Wasserdruck von maximal 60 bar. Dieser verhindert eine zu starke Sättigung des Untergrundes mit Feuchtigkeit. Auf den Einsatz von Heißdampf zur Reinigung einer WDVS-Fassade sollte dagegen ganz verzichtet werden.
Folgenschwer kann eine zu kurze Wartezeit zwischen dem Abwaschen der Fassade und dem neuen Anstrich werden. Wenn die Restfeuchtigkeit im Untergrund nicht erst vollständig abgetrocknet ist, kann es bei der neuen Beschichtung zu Rissbildungen und Abplatzungen kommen. Bei der Überarbeitung des alten WDV-Systems sind auch die Dehn- und Anschlussfugen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu erneuern. Der neue Anstrichstoff ist so zu wählen, dass dieser verträglich mit dem Altanstrich ist. Wichtig ist ebenfalls der sd-Wert. Dieser sollte auf Wärmedämm-Verbundsystemen aus Polystyrol 0,5 m und aus Mineralwolle 0,25 m nicht überschreiten.
Je dunkler der gewählte neue Farbton, desto höher heizt sich die Fassadenfläche bei Sonneneinstrahlung auf. Da die alte Dämmung in der Regel nicht für eine Beschichtung mit den aktuell trendigen dunklen, intensiven Farbtönen geplant wurde, entsteht durch die täglichen großen Temperaturschwankungen auf der Fassadenoberfläche eine hohe Belastung der Armierungs- und Putzschicht, was zu Spannungen und Rissen führt. Bei Anstrichen auf WDVS ist es deshalb ratsam, einen Hellbezugswert von 20 und/oder ein TSR-Wert von 25 nicht zu unterschreiten. Ausführliche Informationen siehe „Dunkle Farbtöne auf WDVS?“, Frage des Monats 05/2026.