Wolkige Pastelltöne auf Neuputz?
Ob Engpässe bei Rohstoffen und oder Fachkräften müssen Bauvorhaben termingerecht fertiggestellt werden. In der Praxis führt das häufig dazu, dass Materialien unter hohem Zeitdruck verarbeitet werden – teils an der Grenze des technisch Sinnvollen.
Wenn der Auftraggeber sich bewusst gegen rein weiße Innenflächen entscheidet und wählt stattdessen einen hellen, pastelligen Farbton. Der Maler beschichtet Wand- und Deckenflächen zügig und scheinbar gleichmäßig. Bei der späteren Objektbesichtigung zeigt sich jedoch: Der Farbton wirkt stellenweise wolkig und verändert.
Was ist die Ursache?
Neuputzstellen, etwa aus Maurermörtel oder zementhaltigen Putzen, weisen unmittelbar nach der Herstellung sehr hohe pH-Werte von etwa 11 bis 13 auf. Viele helle und pastellige Farbtöne werden mit organischen Pigmenten rezeptiert. Diese können bei anhaltend hoher Alkalität empfindlich reagieren. Die Folge sind chemische Veränderungen der Pigmente, die sich als Farbtonabweichungen oder Wolkigkeit im Anstrichbild zeigen.
Solche Schäden lassen sich in der Regel vermeiden. Voraussetzung ist, dass mineralische Untergründe ausreichend Zeit zum Trocknen und Karbonatisieren erhalten. Insbesondere Nachputzstellen sollten fachgerecht beurteilt und gegebenenfalls fluatiert werden, um freie Alkalien zu neutralisieren und unterschiedliche Untergrundbedingungen auszugleichen. Geeignete Produkte stehen im Fachhandel zur Verfügung. Alternativ können – je nach Untergrund und Beschichtungssystem – auch alkalibeständige Grundierungen oder Egalisationsanstriche zum Einsatz kommen.
Um das Risiko von Farbtonveränderungen von vornherein auszuschließen, besteht zudem die Möglichkeit, Farbtöne rein anorganisch zu rezeptieren. Anorganische Pigmente sind vollständig alkalibeständig und zeichnen sich zusätzlich durch eine hohe UV- und Lichtbeständigkeit aus. Dies ist insbesondere bei kritischen Untergründen und hellen Farbtönen eine sichere Lösung. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass anorganisch auf gebaute Farbtöne im Vergleich zu organisch pigmentierten Rezepturen oftmals weniger brillant wirken. Dieser Aspekt sollte frühzeitig eingeplant und mit dem Auftraggeber abgestimmt werden.
Siehe hierzu auch das BFS-Merkblatt Nr. 26.