Egalisieranstrich auf mineralischen Putzen – Mehr als nur eine Zusatzleistung?
Mineralische Putze, insbesondere Edelputze als Oberputze, bestehen aus anorganischen Bindemitteln wie Kalk oder Zement. Durch verschiedene Zuschlagstoffe – etwa Sand, Marmor oder Quarz – erhalten sie ihre spezifische Optik, während Hydrophobierungsmittel oder Farbpigmente für besondere Eigenschaften sorgen.
Die Verarbeitung dieser Putze erfolgt durch das Anmischen der Trockenmischung mit Wasser, bevor sie in der gewünschten Schichtstärke aufgetragen werden. Unter ungünstigen Witterungsbedingungen, insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit oder niedrigen Temperaturen, kann sich der Abbindeprozess verzögern. Dies führt oft zu ungleichmäßigen Farbnuancen – eine sogenannte „Wolkigkeit“, die zwar die technische Qualität des Putzes nicht beeinträchtigt, aber optisch als störend empfunden wird. Gerade bei farbigen mineralischen Putzen kann dieser Effekt das gewünschte Erscheinungsbild beeinträchtigen.
Ein Egalisieranstrich bietet eine wirkungsvolle Möglichkeit, Farbunterschiede auszugleichen und eine gleichmäßige, ansprechende Oberfläche zu schaffen. Dabei ist es essenziell, dass der mineralische Untergrund zum Zeitpunkt des Anstrichs ausreichend trocken und ausgehärtet ist. Andernfalls kann es trotz des Egalisieranstrichs zu Kalkausblühungen kommen, die wiederum das optische Ergebnis beeinträchtigen.
Da mineralische Putze eine hohe Alkalität aufweisen, muss der Anstrich entsprechend darauf abgestimmt sein. Spezielle Egalisationsfarben, die auf die chemischen Eigenschaften mineralischer Putze ausgelegt sind, verhindern unerwünschte Farbtonveränderungen. Dabei kommen ausschließlich alkalibeständige, anorganische Pigmente zum Einsatz, um langfristige Farbkonstanz zu gewährleisten. Auf farbigen mineralischen Oberputzen im Außenbereich sollte ein Egalisieranstrich grundsätzlich als zusätzliche Leistung in Betracht gezogen und dem Bauherrn angeboten werden. Ob er letztlich ausgeführt wird, hängt von der individuellen Bewertung der Oberflächenqualität und den ästhetischen Erwartungen des Bauherrn ab. Eine transparente Beratung hilft, spätere Unzufriedenheit zu vermeiden und gewährleistet eine hochwertige, gleichmäßige Optik.
Weitere Fachinformationen zu diesem Thema bietet das Merkblatt „Egalisationsanstriche auf Edelputzen“, das auf der Website des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e. V. (VDPM) abrufbar ist.