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Dunkle Farbtöne auf WDVS?

Eigenheimbesitzer, Investoren und Planer sind sich meist schnell einig, wie die fertige Fassade aussehen soll. Weniger Beachtung finden dagegen die technischen Grenzen des WDVS und die Anforderungen an den Beschichtungsstoff, insbesondere bei sehr dunklen Farbtönen.

Ein WDVS aus EPS mit einer sehr dunklen Farbbeschichtung und einem Hellbezugswert (HBW) unter 20 ist erhöhten thermischen Belastungen ausgesetzt. Der HBW beschreibt den Reflexionsgrad eines Farbtons zwischen dem Schwarzpunkt 0 und dem Weißpunkt 100 und gibt an, wie weit der Farbton vom Schwarz- bzw. Weißpunkt entfernt ist. Je dunkler der Farbton, desto stärker heizt sich die Oberfläche auf und gibt die Wärme an die EPS-Dämmung weiter. Werden kritische Temperaturen von etwa 70 °C überschritten, kann es zu einer Art „Verglasung“ des EPS, zu bleibenden Verformungen und in der Folge zu Rissbildungen kommen.

In den einschlägigen technischen Regelwerken und Merkblättern wird daher weiterhin empfohlen, bei WDVS im Standardfall Farbtöne mit HBW ≥ 20 einzusetzen. Gleichzeitig ist heute zu beachten, dass der HBW alle in das Aufheizverhalten nicht vollständig beschreibt: Es existieren systemgeprüfte WDVS-Lösungen, bei denen auch Farbtöne mit HBW < 20 zulässig sind, sofern Systemaufbau und Beschichtung dafür speziell ausgelegt und vom Hersteller freigegeben sind.

Um Schäden und Mängel wie Risse oder Verformungen zu vermeiden, stehen mehrere praktische Möglichkeiten zur Verfügung:
• Wahl eines helleren Farbtons mit einem HBW ≥ 20.
• Einsatz eines nicht schmelzenden Dämmstoffs in den betroffenen Fassadenbereichen, z. B. Mineralwolle, Holzweichfaser oder andere nicht thermoplastische Dämmmaterialien.
• Erhöhung der Masse und Stabilität durch doppelte Armierungsschicht mit doppelter Gewebeeinlage (Mehrmasseprinzip) oder durch organische Armierungen, um Temperaturspannungen besser aufnehmen zu können.

Diese Maßnahmen erhöhen die thermische Sicherheit des Systems, können jedoch den planerischen Aufwand und die Kosten beeinflussen und sollten frühzeitig in der Planung berücksichtigt werden.

Zunehmend kommen spezielle Fassadenbeschichtungen mit sogenannten „Cool Colors“, „Coolpigmentfarben“ oder mit definierten TSR-Werten zum Einsatz. Ziel dieser Produkte ist es, dass sich dunkle Farbtöne trotz niedriger HBW-Werte weniger stark aufheizen, weil ein größerer Anteil der solaren Strahlung reflektiert wird.

Der TSR-Wert (Total Solar Reflectance) beschreibt den gesamten solaren Reflexionsgrad der beschichteten Fläche. Je höher der TSR-Wert, desto geringer fällt der Temperaturanstieg an der Oberfläche aus. In der Praxis gilt ein TSR von mehr als etwa 25 Prozent häufig als thermisch günstig und wird von Herstellern als Orientierung für sichere, dunkle Farbtöne herangezogen; normativ verankert ist dieser Grenzwert jedoch nicht allgemein, sondern beruht auf systembezogenen Prüfungen.

Viele WDVS-Anbieter haben inzwischen komplette Systemlösungen mit dunklen, TSR-optimierten Farbtönen im Programm, die ausdrücklich auf EPS-Dämmungen eingesetzt werden dürfen. Voraussetzung ist stets, dass der jeweilige Farbton innerhalb der Systemzulassung liegt und vom Hersteller für den vorgesehenen Aufbau freigegeben wurde. Damit die Funktion der Beschichtung und die Anforderungen dunkler Farbtöne auf einem WDVS sicher erfüllt werden, müssen Dämmstoff, Armierung und Beschichtung in ihrer Gesamtheit betrachtet und aufeinander abgestimmt werden. Relevante Regelwerke (z. B. DIN 55699 sowie aktuelle Merkblätter) sollten ebenso herangezogen werden wie die technischen Unterlagen des Systemherstellers. Das bedeutet:
• Prüfen, ob der gewünschte dunkle Farbton in den Systemfreigaben liegt (HBW und TSR-Wert checken).
• Bei kritischen Farbtönen Alternativen wie andere Dämmstoffe, verstärkte Armierungen oder zugelassene TSR-Systeme in Betracht ziehen.
• Herstellerangaben und Verarbeitungsrichtlinien strikt befolgen, um thermische Schäden zu vermeiden.

Autor

Dennis Kindermann

Leitung Anwendungstechnik
Tel.: +49 5731 9887-340
d.kindermann@zero-lack.de

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