Wie geht man dem Riss auf dem Grund?
Die sorgfältige Ermittlung der Ursachen von Rissen sowie eine gründliche Prüfung des Untergrunds sind entscheidend für die Auswahl und Anwendung des geeigneten Instandsetzungsverfahrens. Bei der Beurteilung von Putzrissen werden Verlauf, Verteilung, Breite, Tiefe, Versatz parallel oder senkrecht zur Bauteiloberfläche, Alter und die künftig zu erwartende Bewegung berücksichtigt.
Risse werden in verschiedene Gruppen eingeteilt: Sack-, Schrumpf-, Fett-, Kerb-, Fugen-, Deckenschub- und Schwindrisse. Diese entstehen durch Feuchtigkeit, Temperatureinwirkung oder mechanische Einflüsse, die eine Formänderung des Bauwerks stören. Man unterscheidet zwischen putzbedingten, putzgrundbedingten und bauwerksbedingten Rissen.
Putzbedingte Risse, auch als ruhende Risse bezeichnet, treten nur in der Putzbeschichtung auf und können die gesamte Schicht oder nur die Oberfläche betreffen. Putzgrundbedingte Risse, wie Fugen- und Kerbrisse, entstehen durch den Putzträger selbst, etwa durch Formveränderungen, Spannungen oder Stoß- und Lagerfugen. Bauwerksbedingte Risse, die als baudynamische Risse waagerecht oder senkrecht verlaufen können, resultieren aus der Setzung und Bewegung des Bauwerks.
Risse im Außenputz, die bei glatter Putzstruktur bis 0,1 mm und bei Strukturputzen mit Körnung über 3 mm bis 0,2 mm breit sind, stellen keinen optischen Mangel dar. Ausnahmen bestehen, wenn die Rissflanken verschmutzt und dadurch sichtbar sind, insbesondere wenn die technische Funktion eingeschränkt ist, der Putzträger durchfeuchtet wird oder eine weitere Ausweitung des Risses zu erwarten ist. In diesen Fällen ist eine Sanierung erforderlich.
Um den richtigen Sanierungsansatz zu finden, müssen Risse klassifiziert werden und es ist zu klären, ob sie ruhend sind oder ob nach der Sanierung noch Veränderungen zu erwarten sind. Hilfreiche Quellen sind z. B. das WTA Merkblatt 2-4, Ausgabe 08.2014/D, sowie die BFS-Merkblätter Nr. 19 „Risse in Außenputzen, Beschichtungen und Armierungen“ und Nr. 19.1 „Risse in unverputztem und verputztem Mauerwerk, in Gipskartonplatten und ähnlichen Stoffen auf Unterkonstruktionen, Ursache und Bearbeitungsmöglichkeiten“.
Die Risssanierung unterscheidet zwei Verfahren: die Einzelrisssanierung (E1-E6) und die Flächeninstandsetzung (F1-F8), wie im WTA Merkblatt beschrieben. Für die richtige Wahl der Instandsetzungsmaßnahmen sollte gegebenenfalls ein Berater des Beschichtungsherstellers hinzugezogen werden.
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