WDVS – Anstrich mit dunklen Farbtönen?
Ob bei der Verarbeitung am Neubau oder bei der geplanten Überarbeitung wegen Verschmutzung oder Neugestaltung –
es stellt sich immer die Frage nach der Farbgebung eines Wärmedämm-Verbundsystems. Im Trend liegen nach wie vor intensive Farbtöne, auch bei großen Fassadenflächen. Wird vom Architekten oder Kunden ein dunkler Farbton mit Hellbezugswert (HBW) unter 20 gewünscht, sollte der Auftragnehmer einiges beachten.
Der Hellbezugswert ist ein Maß für die Helligkeit einer Oberfläche, der Reflexionsgrad eines Farbtons zwischen dem Schwarzpunkt HBW 0 und dem Weißpunkt HBW 100. Er gibt dabei an, wie weit der gewünschte Farbton vom Schwarz- bzw. Weißpunkt entfernt ist. Je dunkler ein Farbton gewählt wird, desto weniger reflektiert er das Sonnenlicht und desto mehr heizt sich die beschichtete Fassadenfläche auf. Wird diese Wärme bei WDV-Systemen an die Dämmplatten weitergeleitet, kann es bei Temperaturen > 70 °C bei Polystyrol zur Verglasung des Dämmmaterials und damit zu Verformungen und Rissen kommen.
Der Hellbezugswert der Schlussbeschichtung auf hochwärmedämmenden Baustoffen und WDVS sollte deshalb 20 nicht unterschreiten. Darauf weisen neben der DIN 55699 „Anwendung und Verarbeitung von außenseitigen WDVS“ auch der Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz e.V. (BFS) und der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM) in ihren Veröffentlichungen hin. Aber auch eine fehlerhafte Verklebung, eine Unterschreitung der Mindestschichtdicke der Armierungsschicht und qualitativ minderwertige Produkte können, in Verbindung mit dem gewählten dunklen Farbton, zu späteren Mängeln an der Fassade führen.
Werden dennoch Hellbezugswerte unter 20 geplant, muss das jeweilige WDVS darauf technisch ausgerichtet sein, z. B. durch die Wahl eines anderen Dämmstoffes (Mineralwolle) oder durch eine spezielle Armierung. Eine weitere Möglichkeit ist die Wahl der Pigmente bei der Tönung. Spezielle TSR-Pigmente können die Aufheizung der Fläche bei sehr dunklen Farbtönen vermindern und sorgen so für mehr Sicherheit an der Fassade. TSR bedeutet „Total Solar Reflectance“ (totale solare Reflexion) und beschreibt die mögliche Reflexion einer farbigen Oberfläche. Je größer der Wert, desto besser reflektiert der gewählte Farbton die Sonneneinstrahlung und desto geringer sind die thermischen Belastungen. Eine Beschichtung mit einem TSR-Wert > 25 % gilt dabei als thermisch sicher.
Fazit:
Fassaden sind erheblichen Witterungseinflüssen wie Sonnenbestrahlung, Niederschlag, Luftfeuchte, Temperaturschwankungen, Frost usw. ausgesetzt. Die richtige Farbauswahl kann späteren Schäden vorbeugen. Da diese nicht immer in der Hand des Auftragnehmers liegt, sollte er darauf hinweisen, dass bei dunkel zu streichenden WDVS-Fassaden das Risiko einer Rissbildung besteht und weitere Schäden entstehen können. Ggf. sind diese Bedenken schriftlich mitzuteilen.
Literatur
DIN 55699, Merkblatt Nr. 21 (BFS), Merkblatt TSR und HBW (VDPM)