Filmbildung – Was ist die Mindestfilmbildetemperatur (Teil II)?
Die Mindestfilmbildetemperatur (MFT) ist ein Begriff aus der Oberflächentechnik und bezeichnet die niedrigste Temperatur, bei der Dispersionsbeschichtungsstoffe in der Lage sind, einen festen zusammenhängenden Film zu bilden.
Dieses geschieht durch physikalische Trocknung: Das flüssige Produkt wird durch Verdunstung des enthaltenen Wassers oder Lösemittels fest und strapazierfähig. Findet die Trocknung unterhalb der MFT statt, kann dieses die Filmbildung stören. Der Anstrichfilm kann dann durch Risse, eine geringere Festigkeit oder den verminderten Haftverbund zum Untergrund beeinträchtigt sein. Mit dem Einsatz von Filmbildehilfsmitteln (Additive) kann die MFT beeinflusst werden. Als Beispiel hierzu dienen sogenannte frühregenfeste Putze und Fassadenfarben, die eine höhere Sicherheit bei der Verarbeitung bei niedrigeren Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit bieten.
In der Fachliteratur wird die MFT oft mit + 3°C angegeben. Praktisch wird sie für das jeweilige Produkt im Labor auf einer Kofler-Heizbank ermittelt.
Es reicht aber nicht aus, nur diesen speziellen Temperaturpunkt zu kennen, sondern es muss darüber hinaus auch auf den Vorgang der Verdunstung geachtet werden. Luft hat die Eigenschaft, Wasser in Form von Wasserdampf aufzunehmen. Je trockener die Luft, desto mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Bei der Verdunstung einer Flüssigkeit wird dieser selbst und ihrer Umgebung Wärme entzogen. Der Verdunstungsvorgang wird damit zur Verdunstungskühlung, der sogenannten „adiabatischen Kühlung“ oder „Verdunstungskälte“. Dieses Phänomen verstärkt sich, wenn der entstehende Dampf durch einen trockenen Luftzug rasch abgeführt wird, sodass ständig wieder ungesättigte Luft an die Stelle gelangt, an der die Verdunstung stattfindet. Die Temperatur sinkt dabei um 2 bis 3 °C.
Ein praktisches Beispiel:
Im Sommer kann man dieses Prinzip der Kühlung durch Verdunstung nutzen, in dem man z. B. Oberflächen oder Getränke mit einem nassen Tuch abdeckt und sie so kühlt.
Fazit:
In den technischen Unterlagen der Beschichtungsstoffe wird daher die Verarbeitungstemperatur mit „mindestens + 5°C für Luft und Untergrund“ angegeben. Das ist unbedingt zu beachten, um bei der Trocknung immer oberhalb der MFT zu bleiben – unter Berücksichtigung der zu erwartenden entstehenden Verdunstungskälte! Findet jetzt die Verarbeitung aber unterhalb dieser angegebenen Temperatur statt oder ist der Untergrund zu kalt, kann es zu den oben erwähnten Störungen bei der Filmbildung kommen.